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Demant kauft Kind für € 700 Millionen. Zudem zeigt die Konjunktur Erholungstendenzen. (stage)

Germany 11 min read
Author
Jens Hohnwald

Guten Tag,

in dieser Woche steht ein bedeutender Strategiewechsel im deutschen Gesundheitsmarkt im Fokus: Der dänische Medizintechnik-Konzern Demant übernimmt die Hörgeräte-Kette Kind für rund € 700 Millionen. Es ist der größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte von Demant und sichert dem Unternehmen die Marktführerschaft in Deutschland.

Zudem zeigt die deutsche Wirtschaft erste Anzeichen der Erholung, was laut aktuellen Prognosen neue Spielräume für Investitionen und Transaktionen schaffen könnte.

Darüber hinaus gab es weitere wichtige Entwicklungen:

  • BayWa verkauft ihre Tochtergesellschaft Cefetra an First Dutch und setzt damit die Portfoliostraffung konsequent fort.
  • Daimler Truck und Toyota bündeln ihre Lkw-Sparten in Asien durch die Fusion von Mitsubishi Fuso und Hino.
  • Die österreichische Pet-Tech-Firma Tractive veräußert ihre britische Versicherungstochter an Yes Insurance.

Vielen Dank fürs Lesen. Wenn Sie Interesse an einer Zusammenarbeit bei Ihrem nächsten M&A-Deal haben, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme über LinkedIn.

Deal tracker

TransaktionBrancheKäuferKäuferberaterVerkäuferberater
01

Nynomic-Tochter Lemnatec übernimmt Pflanzensensorik-Spezialisten SpexAI

Agriculture

Lemnatec

n.a.

n.a.

02

Baywa verkauft seine niederländische Tochter Cefetra an die Firmengruppe First Dutch

Energy

First Dutch

n.a.

ING Corporate Finance

03

Das dänische Unternehmen Demant kauft die Hörgeräte-Kette Kind

Healthcare/pharma

Demant

Latham & Watkins

n.a.

04

BioNTech übernimmt CureVac-Patente

Healthcare/pharma

Biontech

PJT Partners

Goldman Sachs

05

Die österreichische Pet-Tech-Firma Tractive verkauft UK-Tochter an die irische Yes Insurance

Insurance

Yes Insurance

n.a.

n.a.

06

Daimler Truck schließt Lkw-Allianz mit Toyota und beendet die Welt AG

Manufacturing

Daimler Truck, Toyota (Fusion)

n.a.

n.a.

07

Landkreis Harz übernimmt Brocken-Gipfel von Telekom

Real estate

Landkreis Harz

n.a.

n.a.

08

Dumont übernimmt Mehrheit an Freizeitplattform Rausgegangen

TMT

Dumont Mediengruppe

Deloitte Legal, RSM Ebner Stolz

n.a.

09

Linde Digital fusioniert Steuer-Apps mei marie und RelaxTax

TMT

Linde Digital

n.a.

n.a.

Deal der Woche 

Demant übernimmt Hörgeräte-Kette Kind für € 700 Millionen 

Der dänische Medizintechnik-Konzern Demant hat die familiengeführte Hörgeräte-Kette Kind mit Sitz in Großburgwedel bei Hannover für rund € 700 Millionen übernommen. Es ist der größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte von Demant. 

Kind betreibt derzeit rund 650 Filialen in Deutschland und beschäftigt etwa 3.000 Mitarbeitende. Durch die Übernahme wächst das Netzwerk von Demant auf über 900 Standorte allein in Deutschland. Damit sichert sich der Konzern die Marktführerschaft im deutschen Hörakustiksegment.

Mit diesem Schritt reagiert Kind auf die zunehmende Marktdominanz börsennotierter Konzerne im globalen Wettbewerb. Gleichzeitig setzt sich der Trend fort, dass internationale Konzerne durch gezielte Akquisitionen Zugang zu margenstarken mittelständischen Unternehmen im deutschen Gesundheitsmarkt suchen.

Demants rechtlicher Berater bei der Transaktion war Latham & Watkins (u. a. Otto von Gruben und Jacob Fontaine). Berater auf Seiten des Verkäufers wurden bislang nicht öffentlich benannt.

Markttrends

CLOs gewinnen an Attraktivität: Privatkredit als neue M&A-Renditequelle

Collateralized Loan Obligations (CLOs) sind eine attraktive Anlageoption für institutionelle Investoren in volatilen Zinsumfeldern. Sie verbriefen vorrangig besicherte Unternehmenskredite (Leveraged Loans), die in verschiedene Tranchen mit gestaffelten Ratings, Renditen und Ausfallrisiken unterteilt sind.

Gerade die AAA- und AA-Tranchen zeichnen sich selbst in Krisenzeiten durch eine niedrige Ausfallrate aus. Wie Andreas Mittler von Invesco betont, bieten CLOs eine Kombination aus Streuung, aktiver Steuerung und variabler Verzinsung. Das macht sie für Portfoliomanager zunehmend attraktiv.

Der Blick auf den europäischen Markt zeigt: Das Emissionsvolumen von CLOs bleibt trotz konjunktureller Unsicherheit robust. Allein im Februar und Mai 2025 lagen die CLO-Neuemissionen bei 7 bis 9 Milliarden Euro. Der Markt ist damit auf Jahresbasis klar auf Wachstumskurs. Parallel dazu steigt das Interesse am Sekundärmarkt, nicht zuletzt durch den Einstieg von CLO-ETFs, die das Handelsvolumen und die Markttransparenz erhöhen.

Dieser Trend ist für das M&A-Umfeld von großer Bedeutung. CLOs finanzieren die Fremdkapitalseite bei Leveraged Buyouts und ihre Verfügbarkeit kann die Transaktionsaktivität beleben, aber das Zinsumfeld erfordert ein selektiveres Dealmaking. Wer sich frühzeitig mit der Marktstruktur auseinandersetzt, verschafft sich einen Vorteil.

Vorzeitiger Ruhestand gefährdet Stabilität von Arbeitsmarkt und Unternehmen

Obwohl die Lebenserwartung steigt, geht ein erheblicher Teil der Babyboomer-Generation vorzeitig in den Ruhestand. Eine neue IW-Studie zeigt: Zum Stichtag 31.12.2023 bezogen bereits 4,5 Millionen der insgesamt 19,5 Millionen Babyboomer Altersrente, darunter rund 900.000 Menschen, die die gesetzliche Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hatten. 

Die Analyse der Geburtsjahrgänge 1954 bis 1957 offenbart sogar, dass 44 % eines Jahrgangs den Arbeitsmarkt vorzeitig verlassen haben. Die angehängte Grafik veranschaulicht diese Entwicklung eindrucksvoll: Viele Jahrgänge scheiden systematisch früher aus, insbesondere über Sonderregelungen für langjährig Versicherte.

Dies stellt eine ernstzunehmende Herausforderung für den Arbeitsmarkt dar, da gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte mit hohen Einkommen frühzeitig in Rente gehen. Gleichzeitig steigt das tatsächliche Rentenzugangsalter kaum, obwohl es gesetzlich auf 67 Jahre angehoben wurde. Zwar kündigte die Bundesregierung eine Reform an, doch es wurden noch keine Maßnahmen ergriffen.

Diese Entwicklung hat direkte Implikationen für den M&A-Sektor: Wissen, Fachkräfte und Führungspersonal könnten in kurzer Zeit aus Unternehmen verschwinden. Verkäufe, Management-Buyouts oder Beteiligungen durch Private-Equity-Firmen könnten eine Lösung bieten. Der Rentenrückzug könnte somit ein stiller Treiber der M&A-Aktivität in Deutschland sein.

Deutsche Wirtschaft kehrt zurück auf Wachstumspfad mit Chancen für M&A

Nach drei Jahren der Stagnation sehen verschiedene Wirtschaftsinstitute Anzeichen für eine nachhaltige Erholung der deutschen Konjunktur. So prognostiziert das RWI Essen für das Jahr 2026 ein BIP-Wachstum von 1,5 %, das IfW Kiel sogar von 1,6 %. Die folgende Grafik verdeutlicht diese erwartete Wende: Das Jahr 2025 markiert den ersten klaren Wachstumsimpuls seit 2023.

Laut Ökonomen wird der bevorstehende Aufschwung durch das angekündigte Wachstums- und Investitionspaket der Bundesregierung verursacht. Dieses sieht zusätzliche Staatsausgaben und Steuerentlastungen in Höhe von bis zu 57 Milliarden Euro bis 2026 vor, um Unternehmen zu Investitionen zu motivieren. Es bestehen jedoch weiterhin Risiken durch den anhaltenden Handelskonflikt mit den USA unter Präsident Trump, eine Einigung ist jedoch nicht ausgeschlossen.

Für die M&A-Landschaft bedeutet dies: Eine verbesserte Konjunktur stärkt die Investitionsbereitschaft, insbesondere im Mittelstand. Unternehmen mit solider Kapitalbasis und Expansionsplänen könnten ihre Aktivitäten wieder hochfahren, während auch Buy-and-Build-Strategien attraktiver werden. Mehr Inlandsnachfrage und stabilere politische Rahmenbedingungen könnten 2026 ein günstiges Umfeld für Transaktionen schaffen.

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